Blizzard senkt die M+-Hürde, schützt aber die Spitze: Die Top 1 % werden geprüft
+10- und +11-Schlüssel wurden in der Auftaktwoche von Midnight Season 2 häufiger rechtzeitig abgeschlossen. Zugleich prüft Blizzard vor der Belohnungsvergabe die Top-1-%-Ranglisten aus Season 1.
Mythisch+ in Midnight bewegt sich zwischen zwei Zielen. Blizzard möchte die Schlüsselsteinstufen, die die höchste Belohnung aus der Great Vault freischalten, zugänglicher machen und insbesondere den Druck auf Tanks und Heiler verringern. Gleichzeitig muss die Top-1-%-Belohnung aus Season 1 glaubwürdig kompetitiv bleiben. Deshalb werden die Ranglisten der Season vor der Vergabe der Belohnungen geprüft.
Diese Ziele widersprechen sich nicht. Mehr Spieler sollen ihre wöchentliche Ausrüstungsbelohnung anstreben können, doch der Wert einer begrenzten Spitzenbelohnung hängt von glaubwürdigen Ranglistenergebnissen ab. Die Daten der ersten Vault-Woche von Season 2 geben einen ersten Hinweis darauf, wie die zugänglichere Seite des Systems funktioniert. Blizzard hat das Ergebnis der Ranglistenprüfung noch nicht veröffentlicht.
Die Top-1-%-Ranglisten aus Season 1 werden vor der Belohnungsvergabe geprüft

World-of-Warcraft-Game-Director Ion Hazzikostas erklärte PC Gamer, dass das Team die M+-Ranglisten aus Season 1 gründlich prüfe. Das Interview erschien am 31. August. Zu diesem Zeitpunkt waren die Belohnungen für die Top 1 % noch nicht vergeben. Blizzard will später erläutern, wie die Prüfung vorgenommen wurde und zu welchen Ergebnissen sie führte.
Bestätigt ist derzeit also die Prüfung, nicht eine fertige Streichliste. Blizzard hat weder einzelne Durchläufe noch genaue Erkennungsmerkmale oder die mögliche Zahl disqualifizierter Platzierungen veröffentlicht. Es wäre deshalb unbegründet zu versprechen, dass jeder gekaufte Durchlauf entfernt wird, oder jeden verdächtig wirkenden Schlüssel als Regelverstoß einzustufen.
Die endgültige Grenze für Season 1 lag in Europa bei 4.008 Punkten für die Top 1 % und bei 4.236 Punkten für die Top 0,1 %. Die erste Grenze berechtigte zum Reittier Umbral Ashes, während die allerbesten 0,1 % um den Titel Umbral Hero spielten. Die Punktgrenzen galten jeweils regional. Die europäischen Werte dürfen daher nicht als weltweite Grenzen dargestellt werden.
Eine Prozentbelohnung macht ein unzulässiges Ergebnis zum Problem für andere
Bei einer Belohnung mit fester Punktgrenze kostet das zusätzliche Ergebnis eines Spielers nicht zwangsläufig einen anderen Spieler seine Belohnung. Im Top-1-%-Modell ist die Zahl der Belohnungsplätze dagegen relativ zur Teilnehmerzahl begrenzt. Bleibt ein unzulässiges Ergebnis in der Rangliste, kann dadurch ein anderer Spieler auf die falsche Seite der Grenze rutschen.
Genau das macht diese Prüfung besonders wichtig. Es geht nicht nur darum, ob eine einzelne Person eine Belohnung unverdient erhalten hat, sondern auch darum, ob die Prozentgrenze die gesamte Spitze korrekt eingeordnet hat. Für jemanden knapp an der Grenze können wenige Punkte oder sogar ein einziger Rangplatz über das Saisonziel entscheiden.
Hazzikostas sagte außerdem, Blizzard untersuche für die Zukunft spezialisierungsspezifische Spitzenbelohnungen. Die Idee könnte Situationen reduzieren, in denen die Chancen verschiedener Spezialisierungen an derselben Grenze gemessen werden. Die Einzelheiten des Systems stehen jedoch noch nicht fest, und die Änderung kommt nicht in Season 2.
Das bedeutet kein allgemeines Verbot von Gold-Boosting
Die Ranglistenprüfung darf nicht als Ankündigung verstanden werden, dass nun jeder mit Gold gekaufte Carry verboten sei. Blizzards geltende Richtlinie für Dienstleistungen unterscheidet zwischen einzelnen Spielern und Gilden einerseits und großen Boosting-Organisationen andererseits.
Einzelne Spieler und Gilden dürfen weiterhin die vom Spiel bereitgestellten Kanäle nutzen, um Aktivitäten im Spiel gegen Spielwährung zu kaufen und zu verkaufen. Realmübergreifende Boosting-Communitys, Treuhanddienste und andere organisierte Vermittlungsstrukturen sind auch dann verboten, wenn die Bezahlung mit Gold erfolgt. Handel gegen echtes Geld verstößt gesondert gegen die Regeln.
Blizzard hat noch nicht öffentlich erklärt, wie diese Grenzen bei der konkreten Prüfung der Top 1 % aus Season 1 angewandt werden. Die präzise Nachricht lautet daher: Die Ranglisten werden auf unzulässige Durchläufe geprüft. Die Behauptung eines neuen Verbots sämtlichen Gold-Boostings ginge über die Quellen hinaus.
Schlüssel auf Vault-Niveau sollen zugänglicher werden

Der zweite Teil von Midnights M+-Strategie zeigt sich in der Great Vault. Laut Associate Game Director Paul Kubit senkte Blizzard in Season 1 bewusst ein wenig die Hürde zu höheren Schwierigkeitsgraden und deren wöchentlichen Belohnungen. Seinen Angaben zufolge ermutigte die bessere Zugänglichkeit Spieler dazu, Tanks und Heiler auszuprobieren, weil der grundlegende Druck des Spielmodus nicht sofort zu groß wurde.
Das bedeutet nicht, dass die gesamte Season 2 eindeutig leichter gestaltet wurde. In Blizzards offiziellem Beitrag zum Design von Season 2 lautete das Ziel, die Gesamtschwierigkeit der Dungeons auf einem ähnlichen Niveau wie in Season 1 zu halten und die Verantwortung für den Erfolg gleichmäßiger auf die Gruppe zu verteilen. Die Gesundheit der Gegner wurde leicht erhöht. Zugleich sollten Zielpriorisierung der Schadensklassen, Einsatz von Abklingzeiten und Schadensprüfungen stärker ins Gewicht fallen.
Gleichzeitig überarbeitete Blizzard alte Problemstellen zurückkehrender Dungeons, zu dicht gesetzte Unterbrechungsanforderungen und schlecht erkennbare Angriffe. Die Herausforderung soll also nicht verschwinden, sondern von einzelnen plötzlichen Belastungsspitzen für Tanks und Heiler hin zu einer gemeinsamen Gruppenleistung verlagert werden.
Die Daten der Auftaktwoche stützen die Änderung am Vault-Niveau, beweisen aber nicht ihre Ursache
Laut einer auf Raider.IO-Daten beruhenden Analyse der Auftaktwoche fanden 54,75 % aller erfassten Durchläufe auf Stufe +10 oder höher statt. In der Auftaktwoche von Midnight Season 1 lag der entsprechende Anteil bei 45,96 %.
Auch die Erfolgsquoten veränderten sich gerade auf den wichtigen Vault-Stufen:
- Der Anteil der rechtzeitig abgeschlossenen +10-Schlüssel stieg gegenüber der Auftaktwoche von Season 1 um 3,34 Prozentpunkte
- Der Anteil der rechtzeitig abgeschlossenen +11-Schlüssel stieg um 2,11 Prozentpunkte
- auf den Stufen +11–+18 wurden absolut mehr Durchläufe erfasst
- die gemeinsame Quote rechtzeitiger Abschlüsse über alle Schlüsselstufen lag dennoch bei 87,00 % und damit etwas unter den 87,66 % von Season 1
Die Zahlen stützen die Interpretation, dass die erste Woche speziell auf Vault-Niveau zugänglicher war. Sie zeigen nicht, dass der gesamte Dungeonpool oder jede Schlüsselstufe leichter geworden ist.
Die Gesamtaktivität sank gegenüber der Auftaktwoche von Season 1 um 22,61 %, während die Zahl der in den Raider.IO-Ranglisten erfassten aktiven Charaktere um 17,05 % zurückging. Außerdem verbesserten umfangreiche Abschwächungen von Altar of Fangs während des Beobachtungszeitraums die Erfolgsquote eines anfangs schwierigen Dungeons. Die Daten allein können deshalb nicht belegen, welcher Anteil der Veränderung auf Design, Tuning, Spielerpopulation oder den Zeitpunkt der Season zurückgeht.
Midnights neue Trennlinie verläuft zwischen Teilnahme und Wettbewerb
Blizzards derzeitige M+-Ausrichtung lautet weder "alles leicht machen" noch "jedes Boosting verbieten". Stattdessen entstehen im System zwei unterschiedliche Anspruchsebenen.
Das Spiel auf dem Weg zur Great Vault soll zugänglich genug sein, damit mehr Gruppen und mehr an Support-Rollen interessierte Spieler teilnehmen. Die prozentbasierte Saisonspitze ist etwas anderes: Die Glaubwürdigkeit ihrer Belohnungen verlangt geprüfte Ergebnisse und klare Wettbewerbsgrenzen.
Die nächste wesentliche Information ist keine neue Tier-Liste, sondern Blizzards Bericht zur Prüfung von Season 1. Erst dann wird bekannt sein, welche Durchläufe disqualifiziert wurden, wie weit sich die Grenzen möglicherweise verschoben haben und wie Blizzard dasselbe Problem in kommenden Seasons verhindern will.
Quellen und Einordnung
Dieser Artikel ist eine eigene Analyse von wow-anniversary.fi, gestützt auf zwei Entwicklerinterviews von PC Gamer, Blizzards offizielle M+-Richtlinien und eine statistische Auswertung der Auftaktwoche auf Basis von Raider.IO-Daten. Aussagen aus Interviews und beobachtete Daten werden im Artikel voneinander getrennt.